Archiv für November 2010

BAD FRANKENHAUSEN UND WIR, EINE LOSE LOSE SITUATION

Liebe Heimatstadt,

wir wissen, es ist nicht leicht dich zufriedenzustellen. Wir wissen, wir haben dich in den letzten Jahren vernachlässigt und uns lieber in den Metropolen, Großstädten, Gold- und Schandflecken des Landes herumgetrieben. Hin und wieder sind wir dir sogar in der Schweiz fremdgegangen, wenn es hart auf hart kam auch in Österreich. Wir bieten dir dieses winzige Konzert im DOMizil Bad Frankenhausen als Friedenspfeife, als PEACE OUT an. Wir können uns schon denken, wie du uns behandeln wirst. Du wirst deine Kids in die Clubzone schicken, einen Bogen um die großen Jungs gehen, die so selten musizierend vorbeischauen. ÄTZ!! Mögest du uns diesmal eine Ausnahme gewähren, und die Vogelschar – ob klein ob groß – in unsere warmen Hände führen, auf dass wir ihnen zeigen können, wo der Hammer hängt. Es kostet auch nichts und wir machen uns hübsch!

Kurze Rede, langer Sinn: so schnell kommen wir nicht wieder, also bewegen wir unsere Kleinstadtärsche alle brav da hin:

FUCK, YEAH // START: 21:00

von schnecken, blut und bechern

Die Toten Tiere ziehen winkend an uns vorbei, der Alltag kehrt wieder in unsere tristen Kleinstadtleben, der erste Schnee fällt. Ein guter Zeitpunkt, um sich mit einem warmen Kakao und drei winzigen Teelichtern, eingemümmelt in eine Wolldecke, in den Schaukelstuhl zu setzen und das Märchenbuch aufzuklappen. Es sind noch nicht alle Geschichten erzählt!

Donnerstag – Heidelberg – Teufel

Willkommen zurück in der satanischen Brunfthölle Heidelbergs. Durch nerdige Internetconnections seit jeher mit dem Bandenchef verbunden und den Geschmack des tiefgekühlten Jägermeisters vom letzten Renate / Capa Konzert in hiesiger Lokalität noch auf der Zunge spührend war die Vorfreude auf den Abend in der Studentenhochburg selbstverständlich groß. Dass Heidelberg unseren Ansprüchen an dem Abend leider nicht gerecht wird, macht uns alle traurig. Im Backstage reicht man sich Taschentücher und weint.

Marco: Was haben wir nur falsch gemacht!? Was nur, WAS!?
Henry: Ich sag noch, lern endlich den scheiß Slayer Song, Marco!
Hendrik: Kinder, beruhigt euch! Nehmt erst mal eine Orange und einen kräftigen Schluck Tee!

Ein großes, zeremonielles Vorkommnis soll den Abend zu etwas ganz besonderem machen: unsere Rumpelkapellen tauschen Abschiedsgeschenke untereinander. Wahnsinn! Während Firma Captain Capa mit einer gezeichneten Tourcollage, randvoll gespickt mit billigen Insiderwitzen, zu glänzen versucht, schießen die Halben Hemden alle Tauben vom Himmel und geben uns eine wundervolle, pfeifende Porzellan-Schnecke mit auf den Weg. Sie entpuppt sich als brutal schlauer Schnecken-Detektor, der nur pfeift, wenn man einen Lahmarsch scannt! WAHNSINN! Aber erstmal Konzert spielen.

Wir haben auf der Bühne unseren Spaß, und auch wenn der totale Dancemob nicht ausbrechen will, geben wir ein feines Konzert mit feiner Zugabe. Widersprüche von Klöpsen aus der ersten Reihe werden brutal mit dem Kaosspad zermürbt, was beim Rest der Heidelberger Studentenmeute amüsiert aufgenommen wird. „FRANZ FRANZ FRA FRA FRA FRANZ.“ Supershirt erleben zum ersten Mal in ihren vergoldeten Poopoo Leben eine kleine Schlappe – drei Studenten verlassen missmutig das Konzert noch VOR dem großen Tote Tiere Finale. Die Taschentücher im Backstage stehen zum Glück schon bereit!

Der großartige Sauerbraten vom Superlucht rettet uns allen den Abend. Nur Schnaps ist nicht. Hä!? Zum Glück haben wir vorgesorgt und diverse Köstlichkeiten aus der Heimat mitgebracht. Es gibt Pfeffi, Sauerkirsch und Kobold. Das beste Mixgetränk der Welt. Immerhin ist die Unterbringung heute erste Sahne!! Wir haben ein Zimmer zum Schlafen und sogar Matratzen!! Zum Frühstück gibt es Orangen und Tee und eine kleine Toilette ist auch da. TOP!!!

Freitag – Dresden – Chemiefabrik

Die Wege der Supershirts und Captains trennen sich an diesem Mittag, und das macht uns alle traurig. Hirni Wott kann es nicht fassen und macht Reisegruppentitel RAPE‘N'KILL noch einmal alle Ehre, indem er den Hamstercaptain auf der großflächigen Motorhaube des Honda Prelude wegballert. Aua, aua!!

Die Fahrt nach Dresden zieht sich gewaltig in die Länge. Uns geht es semi-gut und auch der bevorstehende Abend bereitet uns große Sorgen. So spaßig es auch ist, in zugesprühten, linken Einrichtungen zu spielen, so vage ist es auch häufig um die Technik, den Sound und das Drumherum bestellt. Tatsächlich nach Ankunft erstmal der große Schock:

Techniker: Wie? Ihr seid ’ne Band?
Maik: Ja, hallo! Wir sind Captain Capa.
Techniker: Ihr legt nicht auf?
Maik: Nee, wir spielen live!
Techniker: Also kein DJ Pult?
Maik: Für uns nicht. Wir brauchen Platz. Zum spielen!
Techniker: Was noch?
Maik: Vier Mikrofone, drei Stative, zwei Monitorboxen, vier Klinkeneingänge, drei…
Techniker: Uuuufffffff…

Aber, aber. Kein Grund zur Aufregung! Während Maik und ich uns vor Angst in die Hose machen, steigt in der Chemiefabrik plötzlich der feine Geruch von frischem Gras durch die Luft. Man versichert uns, dass „alles cool wird.“ Tatsächlich – und das verschlägt uns eine Stunde später fast den Atem – werden plötzlich alle nötigen technischen Quereleien aus dem Weg geschafft. Wie von Zauberhand steht jeder Fetzen benötigtes Equipment auf der Bühne. Woher auch immer es gekommen sein mag, es rettet die Nacht! Ähnlich zauberhaft sind auch die 120 Leute, die sich in der Chemiefabrik einfinden und schreien, als wir uns edel und anmutig wie Zementsäcke auf die Bühne schwingen. GEIL!!

Das Konzert ist Bombe, wir schwitzen wie kleine Schweinchen im Dauerlauf, das Publikum ist wundervoll und zwingt uns zu fünf Zugaben. Bis nichts mehr geht! Eieiei!!

Am nächsten Morgen gibt es feinsten Schweinekopfschrott zum Frühstück!

Samstag – Bischofswerda – Club East

Nachdem Maik und ich gefühlte zwanzig Stunden in den Dresdener Einkaufsmeilen verbringen und ordentlich den Swag aufdrehen, kommen wir irgendwann im verschlafenen Bischofswerda an. Erste Überraschung: wir spielen an einem Indoor-Strand.

Wir fühlen uns ein bisschen wie zuhause – Beachparty im SAX. Sauber!! Wir sind uns sicher: das wird der Abend unseres Lebens. In der Euphorie der Vorfreude spielen wir dieses lustige Quiz mit Bühnenstrahlern. Vorhang auf für das irrsinnige LABELRATEN!!

Der East-Club füllt sich in Kürze mit… ja womit eigentlich? Menschen, auf jeden Fall! Menschen aller Coleur! Emokids, Discojunk, Hardcoremob, U18, Ü30, Muttizettel, Technohead, Dorfstyler, Indiekid, Raproboter – alle finden sie sich ein. „Was ist denn hier los? Das ist ja eine bunte Mischung!“ „Ja, ist halt der einzige Club weit und breit.“ Awesome! Blöd nur – und das wissen wir alle – dass die Hundertschaft an Dorfjugend nicht wegen uns da ist. Ein kleiner Fanclub verirrt sich dennoch in die erste Reihe und hilft uns beim ZIEHEN. Darum geht es an diesem Abend! Leute ziehen! Nach anfänglicher Verwirrung kann die Masse unter Palmen allerdings gefluxt werden, und am Ende wollen doch alle bloß immer mehr. Ha!! So läuft das, ihr Süßen!

Irgendwann gegen 04:00 morgens, der Alternative DJ spielt gerade einen totalen Geheimtipp namens „Smells Like Teen Spirit“, verwandelt sich das Massaker der Gefühle dann leider in ein Massaker der Hautfetzen. Ein zugekokstes Nazipig schleudert seinen Glatzkopf durch die bunte Mischung lustiger Kids. Dass er dabei ausgerechnet meine Augenbraue erwischt, ist vielleicht ein Wink des Schicksals. „Hannes, runter vom Floor, du kannst nicht tanzen!“ Dann geht alles ganz schnell! Schwarz vor Augen, vorsichtig mit der Hand vorfühlen… „Bidde kein Blut, bidde jetzt kein Blut!“

Hannes: Maik.
Maik: … und dann sind wir nach Dresden gefahren, haben da…
Hannes: Maik!
Maik: … da steht der Techniker so da und ist voll erschrocken weil..
Hannes: MAIK!
Maik: Hannes was is… AAAAH!!! SHIT!!

So schnell kanns gehen. Mein Backstage für die Nacht ist also die Bischofswerdaer Notaufnahme, die sich alle Mühe gibt, meinen betrunkenen Schädel zu flicken, und dafür sogar die Pein des angetrunkenen Laberschwalls über sich ergehen lässt. Es gibt fünf Stiche und jede Menge Blut und alle sind zufrieden!

AUA AUA!!

Schade, dass die Geschehnisse nicht heldenhafter waren. „Da war dieser Typ, der hat den Tresen angebrannt, da bin ich hingegangen und hab ihm die Zähne einzeln rausgeprügelt und ihn auf den Mond geschleudert!! Leider stürzte ein Mondsplitter herab und traf mich auf der Stirn!!“ EGAL!

Ein winziger Kreis netter Mädchen, die längst hätten zuhause sein sollen!!!, wartete noch im sich leerenden Beachclub um uns folgendes, liebreizendes Geschenk zu überreichen:

Wir freuen uns und gehen schlafen.

Paderborn / Jena

Am nächsten Wochenende packen wir unseren Homie Mario mit in die Karre und fahren nach Paderborn. Wir stellen fest, dass keiner auch nur irgendetwas über die mysteriöse Stadt weiß. Vor Abfahrt wissen wir noch nicht mal, in welche Himmelsrichtung es gehen soll. Jetzt wissen wir immerhin, dass es in Paderborn 20.000 stationierte UK Soldaten gibt, die das Nachtleben zur Hölle machen. Super!! Wir spielen vor einer winzigen Traube Menschen und geben trotzdem Gas. Tanzen traut sich keiner, dafür ist zu viel Platz auf dem Danceteppich, aber schön finden sie es wohl trotzdem. „GREAT SHOW MATE I LOVED IT!“ Thääänks! <3 Eine kleine Truppe ganz bequemer Damen verharrt während der Show in einer gemütlichen Sofa-Ecke mit direktem Blick zur Bühne. Nie wieder Sitzplätze!! Furchtbares Gefühl!

Die Nacht wird trotz Nahtschmerzen, Grippescheiß und einem eher zweitklassigem Bühnenerlebnis zu einer feinen, runden Geschichte. Wir versaufen das Dreifache der Abendeinnahmen und überraschend kommt es zu einem Captain Capa Ashi DJ Set, dass dem harten Kern viel Freude bereitet und auch Maik und Mmmario auf den Dancefloor lockt. Super! Veranstalter, Laden und Technik sind übrigens top – null Abzüge!!

Auf dem Weg zum Hotel lernen wir dann noch den nettesten und witzigsten Taxifahrer der Welt kennen.

Maik: Ich steig dann mal ein…
Taxifahrer: *fährt los*
Maik: EY!! WAS GEHT AB!?
Taxifahrer: Was steigst du so langsam ein ey!?!
Maik: Ey ich hatte meinen Fuß noch draußen was ist los!?
Taxifahrer: Ja sei nicht so lahm ey Mann…
Hannes: Hm, okay! Wir müssen in dieses Hotel! Ohje, was für eine edle Visitenkarte.
Taxifahrer: Zeig mal her ey. Was daran edel?
Hannes: Aquarellpapier! Schön!
Taxifahrer: Aquapapier ey, Wichspapier oder was, hehe!!
Hannes: Bitte?
Taxifahrer: Wichs ich drauf ey!! Machsu meinen Wichsfleck rauf und schreibst hinter so RELL.
Hannes: Hm… funneeeh.
Taxifahrer: Was ey!? Willsu mal kosten Wichspapier oder was!? Milchpapier LOL!!
Hannes: omg
Maik: Sie sollten vor ihrer nächsten Fahrt weniger saufen, Sir.

Mit Zwischenstopp im schönen Frankenhausen, wo wir uns alle einmal den Dreck vom Körper schütteln und uns jeweils vier mal duschen, fahren wir weiter nach Jena. Die Captain Capa Goldkehle ist inzwischen völlig am Arsch und fügt jedem zweiten Wort ein widerlich schleimiges „HUST RÖCHEL KRAAARZ“ bei. Super, dass das HAUS in Jena durch Zentralheizung, wunderschöne Backstage Räumlichkeiten und idealen Bühnenzugang glänzt. HIHI. Quark! Das HAUS ist Punk und das ist gut so! Nicht immer leicht, aber gut so! Draußen ist es nass und bitterkalt und drinnen passiert uns endlich der Supergau:

Mario: Wo ist eure Soundkarte?
Hannes: Laptoptasche!
Maik: Nnnope.
Hannes: Gummitasche!
Maik: Nnnope.
Hannes: Kabeltasche?
Maik: Nnnope.
Hannes: Okay. Shit.

Eine Elite-Einheit aus Frankenhausen muss in mein Zuhause einbrechen und uns die Soundkarte ins 1 1/2 Stunden entfernte Jena mitbringen. Shhhhhit. Tausend Dank an dieser Stelle nochmal! Nachdem wir die wartende Menge mit Russ Chimes DJ Sets und kurzen Ausflügen in die Welt des Bloghouses gequält haben („WANN FANGT IHR AN WAS DAS FÜR SCHEISS!?“) können wir endlich loslegen. Was auch bitter nötig ist, denn Captain Ah-Ah sind unterkühlt und laufen bereits blau an. Die Leute im HAUS machen ihrem Ruf alle Ehre und das Konzert wird, wie jedes Jahr, Bombe. Ein paar winzige Unstimmigkeiten im Feeling machen sich breit – wir haben keine Ahnung, worans liegt und machen einfach weiter. Vielleicht liegt es tatsächlich am Captain Capa Keuchhusten, der nach weiteren Stunden in Minusgraden und Dauergebrabbel nach dem Auftritt in einer furchtbar Opa‘esquen Hust-Eskapade gipfelt. Furchtbar, aber so ist das. Wir verabschieden uns beim Veranstalter und düsen nach Hause!

Juchu!! Jetzt Pause, Songs schreiben, arbeiten, ausruhen, gesund werden. Am 03. Dezember kurzes Zwischenspiel in Bad Frankenhausen, was auch immer das werden soll, und am 17. Dezember große Knallerparty in Erfurt!

MÄRCHENBUCH ZU! GUTE NACHT!

TOTE TIERE / REDUX

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Was passiert mit toten Tieren, wenn sie zu lange liegen oder die Seuchenbehörde den Schmodder aus Trägheit einfach auf dem Asphalt kleben lässt? Sie verschimmeln, verrotten, fangen an zu stinken und alles was bleibt ist eine Hand voll Fliegen und die Tragödie! SICK!! Tote Tiere, das sollte sich inzwischen auch in der hintersten AJZ Toilette rumgesprochen haben, sind wir ganz gewiss: die Symbiose aus Supershirt und Captain Capa. Das Wolfpack, das dreckige Hyänengespann. Aber verrotten, stagnieren – das ist nicht unsere Welt. Reisegruppe Sauf und Klau – upgrade, höher, schneller, weiter. In Bewegung bleiben, bloß nicht verrotten, bloß keine Fliegen ansetzen. SCHARF GEHTS!

Erstes Ziel MAGDEBURG. Es ist Donnerstag, die Lokalität gleicht einem Wohnzimmer, ein Café der Liebe, Teppichästhetik und Polstermöbelpower. Wahnsinn, wie sehr der Schmerz der kurzzeitigen Trennung an uns nagte! Endlich wieder Supershirt, endlich wieder umarmen und liebhaben! „WAS HABEN WIR EUCH VERMISST!“ „WIR EUCH AUCH FAST SO HALB SCHON!“ Was soll das nächste Woche bloß werden!?

Das Café Central füllt sich bis in die letzte Fuge, niemand schwitzt so stark wie wir! Geile Anekdote, die uns einmal mehr als Vollidioten outen wird:

Styler-Hannes: Maik, es wird heiß!
Styler-Maik: Ja, lass mal die Haare EXTRA fest sprühen!
Styler-Hannes: Gute Idee, bloß keine fiesen Scheitel! *SPRÜÜÜÜH*
Styler-Maik: *SPRÜÜÜÜÜH SPRÜÜÜÜH*

Wenig später auf der Bühne:

Schweiß-Rinnsal-Maik: HANNES!! MEINE AUGEN!! AAAAH!!
Schweiß-Rinnsal-Hannes: AAAAARGH SAME HERE HOLY SHIT, ES BRENNT! ES BRENNT!!

Egal. Auch weniger heiß: der hiesige Beschallungsapparat, in dessem Inneren scheinbar Mäuse, Schlümpfe und Panzertape wilde Kämpfe um das Ausgangssignal der Monitorboxen austragen! Heißt im Klartext: das elektronische Emo-Duo eures Vertrauens spielte zeitweilig taub. Das Publikum wird beschallt, die Bühne bleibt stumm. „Sing ich das schief!?“ „Ich glaub, es geht!“ „Hm. Okay!“ Die Meute spürt, da stimmt was nicht, und beschließt, heute einfach mal ein stückweit gemein zu sein. Verhaltenes Tanzen, verhaltenes Klatschen. Feierliche Krönung der musikalischen Darbietung: ein Komiker in der ersten Reihe, der seine Mitmenschen mit einer Dose Raumspray besprüht, sich von uns „Kids On Fire“ wünscht, und sich bedankt, indem er mir den Schädel auf die Bühne drückt und den Damen der Schöpfung zu Leibe rückt. Ein Held!

Supershirt verstehen es, auch die Hürde der schwitzigen Enge und des zerfahrenen Sounds zu meistern und liefern einen gewitzten, energischen Auftritt ab. Leider nicht meine Musik. 8000 RAM, was soll das eigentlich sein!? Der schnellste PC der Welt!? Mir egal! Während sich in den ersten Reihen Enge und Gefühlsnähe verbreiten und eine junge Prinzessin Eiswürfel in den Lavapit wirft, gibt es hinten Ärger und Prügel. Wie es sich gehört! Egal – Supershirt reißen auch diesen Laden ab, hinterlassen zufriedene Gesichter und klitschnasse Mäuler – da kann nix passieren. Nicht einmal der gekonnte Sabotageversuch der Tresenkräfte („Geil, lass mal den CD Player anmachen und über die Boxen laufen!“) kann sich dem Shirtzilla Monster entgegenstellen. Faxe, Rakete und Katze hauen alles kaputt. Auch der Abend danach wird ein schöner! So viele bekannte Gesichter, alte Freunde und neue HeldInnen, es ist der Wahnsinn. Tausend Dank auch an die Veranstalter, die uns nicht nur wie Könige behandelt haben, sondern auch das PACK herauswarfen, das herausgeworfen gehörte.

Highlight der Nacht ist eine Pnadamüzte.

BERLIN

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Grrrrrr…

Zerpflückt und unausgeschlafen führt uns die Reise in zwei Automobilen tiefer ins System, tiefer ins Geschehen: Hauptstadt, öffne deine Tore! Aber bitte, verschone uns mit der hässlichen Siegessäule! Abgesehen davon lieben wir dich inzwischen sehr – auch für deine Bären. Berlin, mein Schatz… und das TROTZ der Paranoia!

Hier speist also Lemmy Kilmister, hier werden unsere Kapellen aufspielen. Das White Trash ist American Restaurant, Tattoostudio und Clubhölle in einem und macht alle drei Jobs hervorragend gut. Zäune, Holz, Gemäuer, Rock‘n'Roll. Ob wir zwischen die tätowierten, schwarzgekleideten Slangboys und Slanggirls hinter Tresen und Bar passen, sei einmal vorsichtig zu den Besen in die Ecke gestellt. Was ist uns das? ACHTTAUSEN… äh, egal, selbstverständlich. Der Laden füllt sich angemessen und bereits vor dem Konzert steht fest: welch liebliches Publikum! Auch lange nicht mehr gehabt: „Darf ich deine hässliche Kackfresse fotografieren, damit mir jemand glaubt, dass es SOWAS überhaupt gibt!?“ „Fanfotos immer!“

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Unüberwindbar aber das doppelte Grauen: „HOLY SHIT die von Supershirt sehen ja noch viel schlimmer aus!! Die will ich auch! Für Facebook! Das wird das neue Meme! UGLYBAND!“

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Wir werden trotz ausgesprochener Hässlichkeit warm empfangen, haben Stargäste in den ersten Reihen, werden mit Hand-Herzen überschüttet und mit Refrains besungen, dass ein Entschwinden von der Bühne ein unüberwindbares Drama darstellt.


Achten sie auf den stimmigen Chor in der ersten Reihe! Kippen sie auch ihren Bildschirm auf die Seite.

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Aber nach all dem Geschrei, der Liebelei, dem Betrug und dem Tanz ist auch mal wieder gut, sie sind ja nicht alleine hier, Herr Kapitän. Bühne frei für die Kopfspieler.

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Pünktlich zum Supershirt’schen Konzertbeginn dreht das Publikum den Schalter um. All die zarten Gefühle der Zuneigung müssen verschwinden und dem animalischen Willen der Zerstörung weichen. Es ist ein Fest!

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In einer Sache hängen die halben Hemden uns an diesem Abend stark hinterher: im Konsum enthemmender Flüssignahrung. Zumal sich die Frauen der Shirts im Publikum eingefunden haben und nach jedem Song Bewertungsschilder in die Luft strecken, fühlen sich Henry, Hendrik und Marco einem Druck unterzogen, dem KEINE BAND standhalten kann. Nach fast jedem Song schnellten die „4.0″, „3.5″ oder auch mal das „0.0″ Schild aus dem Publikum. Knallhart!! Keine Amnestie für Boyfriends! Das ist natürlich nur Quatsch. Hinter den SchildheberInnen versteckten sich in Wirklichkeit die Toten Crackhuren im Kofferraum, die erst den Auftritt unserer Emotechcombo, und dann den der Berlinostocker mit Crackpower zerstören wollten. Mission: impossible, Finale: geglückt!

Im Backstage die wissenschaftliche Entdeckung des Jahrhunderts: ein schwarzes Loch im Kühlschrank. Alles leer, alles weg. Scheiß Large Hadron Collider, ey!! Also ab in die Nacht, ab in den Club, ab in die verdammte Hölle! Nass und kalt vs. warm und kuschlig – was wissen die schon!? :[

NEUBRANDENBURG

Zwei Stunden Schlaf, die müssen auch erstmal produziert werden. Wer kann das bezahlen!? Maik jedenfalls nicht. „Guten Morgen!“ „AAAAAH!!!“ Aber es muss ja weitergehen. Halbwitzige Anekdote:

Telefon: RRRRRING
Hannes: Oh Shit, Hendrik ruft an!
Maik: Und wir sind noch in Berlin!
Götz: Müssten längst losgefahren sein!
Maik: Sind aber noch am Shoppen, oh weh!
Hannes: Jetzt gibts Ärger! -rangehen- JA?
Hendrik: HANNES, WO IST HENRY!?
Hannes: Wieso? Bei euch im Kofferraum?
Hendrik: Ihr sollt den mitnehmen!
Hannes: Wir sind doch nicht bescheuert! Hast du mal an dem gerochen!?
Hendrik: Holt den mal ab, jetzt, der weint schon!
Maik: NEE, NICH DER EY!!
Götz: Welcher von denen ist das? Der Nette, der Neue oder der Unangenehme!?
Maik: Der mit dem Hosenbart.
Hendrik: Holt ihr den jetzt mal ab bitte!?
Hannes: MENNO!!!

Naja, wir sind mal nicht so. Henry eingesackt und auf in die schönste Ortschaft der Welt. Stundenlanges Getucker durch Flachland, Waldprovinz, Steppe – WALLACHEI. Plötzlich ragt aus dem Boden ein Klotz aus Beton. WOW! Kneipe, Apotheke und Reisebüro im Plattenbau – Hardcore. This is where the love is born oder so!

Der Mixtape-Club besticht durch coole Beleuchtung, eine hübsche Optik und ein NES! Der Backstage ist ein Traum, das Buffet eröffnet, alle fühlen sich pudelwohl. Pudelwohl fühlen sich wohl auch die zwanzigtausend NeubrandenburgerInnen in ihren vier Wänden, sonst wären sie vielleicht zahlreicher vor unserer Bühne erschienen. So nehmen wir Vorlieb mit zwanzig Interessierten, die sich leider ungern auf blöde Sprüche und nette Begrüßungen einlassen. Konzert ohne Ansagen, immer gut!! Captain Capa runtergespielt, Leute beschallt (BESCHALLT SCHALLT SCHALLT SCHALLT schallt shlt slt l t)

Leider kein Foto von Supershirt. Bei denen verdoppelt sich die Anzahl der BesucherInnen sofort. Währenddessen schlagen wir uns am Merchstand mit Fragen herum. „Mal ehrlich Jungs, der Gesang war doch Playback.“

Die Hemden schaffen es durch Charme und Liebe, auch das bescheidenste Publikum an den Eiern zu packen und spielen ein ordentliches Set! Auch Tote Tiere macht Spaß, der Konfettishooter zündet auch. So haben wir es gern! Blöd, dass die Shirtjungs weiterziehen müssen, um die Releaseparty von FEINE SAHNE FISCHFILET mit einem DJ Set aufzuwerten, und das Gespann um Captain Capa (feat. Fuzz Galaxy Buzz & Amadis-Fabian-Zuber) entweder müde, besoffen, emo oder alles zusammen ist. Müssen wir durch! Danach Hatespeech im Backstage und Techno vor der Tür. Wir wollen doch nur schlafen / unsere Leben ruinieren!

Wir schlafen ein mit BUMM BUMM und wachen auf mit BUMM BUMM. Einer der Clubboys probt sein DJ Set von 06:00 bis 12:00. In Clublautstärke.

Auf der Heimreise plötzlich ein kleines, romantisches Highlight der Tour! Das Zaubernavigationsgerät führt uns zufällig knapp an dem Urlaubsort vorbei, an dem Hannes und Götz Teile ihrer Kindheit verbrachten. Also nichts wie hin, kurz um den See gelaufen, in der Mönchs Schänke gespeist und flambierte Kartoffelsuppe bestellt. Wo doch grad die Pyromanen los sind, dort! Wir ernennen Himmelpfort, das Kaff in dem die Briefe an den Weihnachtsmann bearbeitet werden (!), im Herbst zum STILLSTEN ORT DER ERDE und entlassen euch nun in die Freiheit… mit ein paar idyllischen Herbstfotos aus der schönen Seenplatte. All the love, wir sehen uns in Heidelberg / Dresden / Bischofswerda / etc… !! Tourdaten checken und die Toten Tiere besuchen, solange sie noch tot sind!

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Dort, wo Ashi einst das Schwimmen lernte… und wieder verlernte. Zum Glück ist er nun ein Wal.

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„Ey Santa, wie stehts dieses Jahr?“
„CAPTAINCAPAFANS KRIEGN NICHTS“
„Oha!“
„BEI SUBERSHIRD KRIEGEN NUR DER NETTE UN DER NEUE WAS“
„OHA!“